Momente am Meer
Ausstellung von Astrid Konradt-Bock in der KF-Galerie Bielefel, 31.05. - 12.07.2026
Die Ausstellung „Momente am Meer“ von Astrid Konradt-Bock in der KF-Galerie Bielefeld widmet sich der malerischen Erforschung flüchtiger Wahrnehmungen von Wasser in seinen vielfältigen Erscheinungsformen. Im Zentrum der präsentierten Aquarelle und Acrylbilder stehen visuelle Eindrücke, die aus unmittelbaren Seherlebnissen hervorgehen: spontane Beobachtungen, atmosphärische Lichtstimmungen und zufällige Entdeckungen, die sich im stetigen Wandel des Elements Wasser manifestieren.
Konradt-Bock greift dabei auf ein breites Spektrum an Inspirationsquellen zurück. Die von Gezeiten geprägten Farbspiele der Nordsee, das gleißende Licht mediterraner Küstenlandschaften oder die nächtlichen Spiegelungen künstlicher Beleuchtung in den Kanälen Venedigs bilden ebenso Ausgangspunkte wie die durch Wasserbewegung verzerrten Reflexionen von Bootsmasten und Tauen in südfranzösischen Häfen. Auch die markanten Gesteinsformationen der bretonischen Rosa-Granitküste treten in einen spannungsvollen Dialog mit den blaugrünen Nuancen des Meeres. In all diesen Motiven wird Wasser nicht nur als landschaftliches Element, sondern als dynamischer Bildträger von Licht, Farbe und Bewegung erfahrbar.
Ausgehend von gegenständlichen Beobachtungen entwickelt die Künstlerin eine zunehmend abstrahierende Bildsprache. Dieser Transformationsprozess zielt darauf ab, das Essenzielle der Wahrnehmung freizulegen und visuell zu verdichten. Dabei nutzt Konradt-Bock die spezifischen Möglichkeiten der eingesetzten Techniken differenziert aus: Während das Aquarell durch Transparenz, Leichtigkeit und fließende Übergänge besticht, erlaubt die Acrylmalerei kraftvolle, deckende Farbsetzungen und eine stärkere strukturelle Verdichtung. Das Wechselspiel dieser malerischen Mittel eröffnet ein breites Spektrum an Ausdrucksqualitäten – von zart nuancierten Farbschichten bis hin zu intensiven, körperhaften Kompositionen.
In der Verbindung von sinnlicher Wahrnehmung und künstlerischer Reduktion gelingt es Astrid Konradt-Bock, das Flüchtige des Augenblicks bildnerisch zu fixieren, ohne dessen Offenheit zu verlieren. Die Werke laden dazu ein, eigene Seherfahrungen zu reflektieren und sich auf die subtile Poesie des Wassers einzulassen. So entstehen Bildräume, die weniger konkrete Orte abbilden als vielmehr Stimmungen evozieren – „Momente am Meer“, die im Spannungsfeld zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion ihre nachhaltige Wirkung entfalten.
@ Henning Bock 2026
Sabine Ehlers
Aus der Einführungsrede zur Ausstellung „Von Fern und Nah“ im Arbeitsgericht Bielefeld am 15. März 2024
Sehr geehrte Gäste,
Sie sind heute hierhergekommen um gemeinsam mit dem Ehepaar Bock diese Ausstellung zu erleben. Ein Künstlerpaar stellt gemeinsam aus, das ist schon etwas Besonderes. Denn hier geht es nicht so sehr um Gemeinsamkeiten, sondern eher um die je eigenen Sichtweisen und daraus folgernd die Gestaltungsweisen. Über das je Eigene und über das doch auch Gemeinsame möchte ich heute hier versuchen Ihnen etwas zu erläutern: Schon der gewählte Titel der Ausstellung „Von Fern und Nah“ macht die zwei Positionen deutlich. Astrid steht für das Ferne und Henning für das Nahe.
(…)
Liebe Astrid, Du bist Malerin und dein Ausgang für die eigenen künstlerischen Arbeiten ist die Ferne: du siehst die Landschaften, die dich faszinieren und beeindrucken, das Meer und seine Küsten, ebenso wie das Watt. Aber auch die italienischen Landschaften und Bäume lassen dich genauer hinsehen. Du gehst mit Stiften, Aquarellfarben und Papier in die Landschaft und fertigst Skizzen und farbige Bilder an, um den Verlauf der Landschaft, ihre Räumlichkeit ihre Besonderheiten zu erfassen und zu verstehen. Auch dich beeindruckt die Natur und ihre Zusammenhänge, diese willst du möglichst genau verstehen und wahrnehmen. Aber auch dir geht es nicht um das exakte Wiedergeben der gesehenen Landschaft. Deine künstlerische Arbeit fängt im Atelier an. Die Naturskizzen sind das Ausgangsmaterial, welches dir als Vorlage für deine künstlerischen großen Acrylbilder dient. Nun kommt die eigene künstlerische Auseinandersetzung, und es geht um werkimmanente Gestaltungsprobleme, wie die räumliche Darstellung der Tiefe mittels Farben und Formen. Ebenso wichtig ist die Abstrahierung der Landschaftsvorgabe, welche Teile können reduziert werden um dadurch die Essenz, also die Wahrheit der Landschaft darzustellen. Wo gibt es eine Horizontlinie, die die Elemente trennt oder auch verbindet. Mit welchen Farben kann die Stimmung einer Landschaft, aber besonders auch das Gefühl dieser Landschaft gegenüber verdeutlicht werden. Die Fläche und die Linie, oft mit großer Geste erobern die Leinwand. Wobei Astrid gegenüber Henning die Möglichkeit zur Korrektur hat, eine Farbe oder Form kann übermalt werden, ein neuer Ansatz gefunden werden. Große Bäume füllen das Bildformat aus, bei einer älteren Serie, die hier gezeigt wird. Die Größe und das mächtige Volumen der Bäume sprengt das Bildformat und kräftige Farben zeigen die Lebendigkeit und Fülle des Lebens in diesen Bäumen.
Bei einigen Bildern können Sie eine schrundige Oberfläche der Erde erkennen, hier hat Astrid Pigmente und Erden in ihre Farben gemischt, um dadurch die Materialität des Grundes zu verdeutlichen und zu erhöhen. Sie werden aber auch großformatige, sehr zarte und besonders reduzierte Aquarelle sehen. Das besondere daran sind die sehr bewusst gesetzten wenigen Linien die wie ein Hauch eine Landschaft hervorzaubern. So ist auch bei Astrids Malerei die Natur der Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Arbeit. Sie beeindruckt uns durch die Reduktion der Formen und die Wahl der Farben, sodass wir in die vielseitigsten Landschaftsformationen eintauchen können.
Ja, und was verbindet diese Künstlerpaar? Natürlich das Sehen der Natur als Wegbereiter ihre jeweilen künstlerischen Arbeitsweisen. Die Achtung und Wertschätzung der sie umgebenden Natur öffnet ihre Kreativität und Freude an der Gestaltung eigener Werke. Dieses Tun ist für beide eine große, besondere Gabe, die sie und vor allem uns als Betrachter bereichert. Denn nur Astrid und Henning können diese Werke schaffen und uns heute hier präsentieren.
Denken Sie daran, die Arbeiten sind zu kaufen, damit sie zu Hause die tägliche Freude haben immer wieder anders mit dem jeweiligen Werk Zwiesprache zu halten. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Betrachten.
@ Sabine Ehlers 2024
